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Unsere Kulturausgaben: hoch, aber nicht Spitze

Von Wolfgang Böhler

 

31.05.2013 — Ein neue Auslegeordnung der EU (hier zu finden) zu den europäischen Kulturausgaben erlaubt einen groben Quervergleich der Länder, die Schweiz eingeschlossen. Interessant sind vor allem die Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur ‒ auch diese müssen aber natürlich mit Vorsicht genossen werden. Die Berechnungsgrundlagen dürften keinesfalls einheitlich sein. Und sie relativieren sich mit Blick auf Kaufkraft, Produktionskosten und so weiter.

Die öffentliche Hand hat in der Schweiz im Zeitraum 2010/11 235 Euro pro Kopf für Kultur ausgegeben. Spitzenreiter sind in der Statistik Monaco mit 1610 Euro und Liechtenstein mit 711 Euro, Kleinststaaten mit spezieller Dynamik und damit wenig aussagekräftige Ausreisser, die wir gleich wegstreichen.

Mit der Schweiz vergleichbare Zahlen erreichen Schweden (278 Euro), Norwegen (446 Euro), Dänemark (300), die Niederlande (338 Euro) und Österreich (273 Euro). Von unseren restlichen Nachbarn erreicht Italien 117 Euro. Für Frankreich gibt’s keine Zahlen. Die Schlusslichter sind Georgien (9,3 Euro), Moldavien (7,7 Euro), die Ukraine (12,2 Euro) und Serbien (15 Euro).

Die Schweiz ist in Europa also kein absoluter Spitzenreiter in Sachen staatlicher Kulturförderung, bewegt sich aber etwa so im oberen Drittel der Staaten. Gegen den Trend stellt sich das Land überdies, wenn es um die zeitliche Entwicklung der Ausgaben geht. Sie hat diese (laut der EU-Statistik) von 2009 auf 2010/11 deutlich erhöht (von 207 auf 235 Euro pro Kopf).

Zum Teil deutlich abgebaut haben im gleichen Zeitraum Kroatien, Georgien, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Portugal, Rumänien und Serbien. Zugelegt haben Aserbeidschan, Tschechien, Griechenland (wir zitieren ja bloss die Statistik), Malta, Monaco, Norwegen, Polen und Schweden. Da zeigt sich kaum ein Muster, weshalb man vielleicht am besten davon Abstand nimmt, irgendwelche Trends konstruieren zu wollen.

Wie kommentieren die EU-Verantwortlichen die Tabelle? Sie weisen darauf hin, dass das Zahlenmaterial zu wenig robust ist, dass es Aussagen darüber erlauben würde, inwiefern die Wirtschaftskrisen die Kulturausgaben beeinflusst haben. Sie setzen sich aber dafür ein, dass der Blickhorizont ausgeweitet wird. Wichtig sei zu verfolgen, wie sich der Zugang zu kulturellen Angeboten und die Partizipation entwickelten, wie breit abgestützt das Kulturleben also ist.

Ein spezielles Ranking misst überdies, wie interkulturell vielfältig europäische Städte sind. Den Spitzenrang unter den multikulturellen Städten Europas hat ‒ Neuenburg. Laut EU hat die Stadt dies der lokalen Politik zu verdanken, die der Interkulturalität konsequent Rechnung trage. Das ist interessant, hat die Stadt national doch eher den Ruf einer knausrigen Kulturfördererin. Wir lassen das mal so stehen.

Gefolgt wird Neuenburg von Oslo, Zürich und Kopenhagen. Zürich loben die EU-Funktionäre unter anderem wegen der guten Durchmischung der Bevölkerung; es gebe da kein monoethnischen Quartiere, sprich Parallelgesellschaften. Bemängelt wird das kulturell wenig differenzierte Medienangebot in der Limmatstadt. Die erste deutsche Stadt ist Dortmund auf dem neunten Rang. Weit, weit abgeschlagen ist Genf (unter den letzten elf). (cf)

Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.

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