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17.03.2005 — Im James-Bond-Abenteuer «The Spy Who Loved Me» stapfen Roger Moore alias Commander James Bond und Barbara Bach in der Rolle des russischen Majors Anya Amasova durch die Wüste, nachdem ein zu Schrott gefahrener Lieferwagen als Fluchtwagen endgültig den Geist aufgegeben hat. Dazu erklingt … die Musik zu «Lawrence of Arabia». So listige Pointen sind im Film selten, weil derartige Anspielungen schon eines akustischen Vorschlaghammers bedürfen, um beim Publikum zu landen. Was das Ohr erreicht, dient im Kino in der Regel zur nur unterbewusst wahrgenommenen Stimmungsverstärkung. Es muss akustisch ja meist auch plakativ übertrieben werden, damit tatsächlich Aufmerksamkeit auf Tönendes gelenkt wird: Klatschgeräusche und dumpfe Schläge machen eine Rauferei erst richtig zum dramatischen Ereignis, wenn sie mehrfach überhöht werden, Türen quietschen raumfüllend, wie sie dies im real existierenden Leben nie tun würden, und Gewitter entladen sich in maschinengewehrartig knatternden Blitzen, die selbst der wildeste Sommersturm in Gottes Natur nicht hergäbe.
Diese schon gar nicht mehr als solche wahrgenommenen Unwahrscheinlichkeiten bestätigen die mehr als 2000 Jahre alte Theorie in der Poetik von Aristoteles, wonach es zwar ein Fehler ist, wenn im Epos etwas Unmögliches vorkommt, man aber darüber hinwegsehen kann, wenn «der Dichter trotzdem den Zweck seiner Darstellung erreicht.» Und dieser liegt laut Aristoteles darin, eine erschütternde Wirkung zu erzielen. Wie wahr! Der durchschnittliche akustiko-pyrotechnische Aufwand in modernen Hollywood-Filmen erreicht sie in der Regel erst, wenn die Geräuschkulisse in der Magengegend spürbar wird.
Selbst die wildesten physikalischen Ungreimtheiten ist der Zuschauer bereit zu schlucken. Notorisch ist da das Sausen, Schwirren, Knallen, das Schlachten im Weltraum begleitet – einem Ort, an dem selbst die Expolsion einer Atombombe in Tat und Wahrheit akustisch völlig lautlos von sich geht, weil im luftleeren Raum halt nun mal kein Schall übertragen wird. Darauf, dass die Filmgeschichte aber auch voller akustischer Fehler steckt, die keineswegs so offensichtlich sind, macht ein köstlicher Artikel im Onlinemagazin «Salon» aufmerksam. Der Ornithologe Robert Winkler listet da auf, in wievielen Produktionen um des Effektes willen Vogelstimmen zu hören sind, die in dem dargestellten Szenario aus biologischer Sicht völlig fehl am Platz sind. So sind in Filmen, die in Kalifornien spielen, Eulen zu hören, die nur an der amerikanischen Ostküste zu Hause sind, oder in «Eyes Wide Shut» wandert Tom Cruise in tiefer Nacht auf Long Island umher, während ein Eichhäher dreimal kräht, der sich zu dieser Tageszeit im echten Leben dem Schlaf des Gerechten hingibt. Notorisch ist laut Winkler auch eine biologische Sünde, die jede Nebelkulisse begleitet: Das Krähen von Seetauchern ist zu hören, auch wenn die Szene in einem Vorstadtquartier spielt, in dem diese Wasservögel definitiv nichts verloren haben. Gedanken zur Rolle von Musik auf der Tonspur von Filmen macht sich aber auch Ludger Brümmer, der Leiter des Institutes für Musik und Akustik in Karlsruhe, im Codex-flores-Interview. (wb)
Der Wissenschaftstheoretiker und Musikpublizist Wolfgang Böhler ist Produzent von Worldmusic- und Kammerjazz-Projekten und Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins
