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Welches Kulturleitbild braucht das Land?

Von Wolfgang Böhler

 

04.03.2011 — Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft hat das Internet als Kommunikationskanal entdeckt. Unter dem überaus griffigen Schlagwort «GPS kultur.bl Standpunkt» bringt sie ab sofort «je nach Bedürfnis kurz-knappe Darstellungen, Einsprüche, Repliken auf kulturpolitische Themen» unter die Leute. Das ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Ungewöhnlich ist mal, dass ein Kulturamt einen Kommunikationskanal entdeckt. Interessant ist auch, dass es sich eigene Standpunkte leisten will und überdies, dass es Einsprüche und Repliken aktiv riskiert.

Für so etwas ist im Fall des Kantons Basel-Landschaft der Zeitpunkt vermutlich gut gewählt. Der Kanton Basel-Landschaft hat mit einem Einspruch seiner Stimmbürger in Sachen Stadttheater dem Kanton Basel-Stadt nämlich soeben seinen Standpunkt klargemacht, und Urbi et Orbi fragen sich nun, wie’s dazu kommen konnte und wie’s in der Kultur-Partnerschaft weitergehen soll.

Zunächst einmal geht’s im Kanton Basel-Landschaft um eine «Tagsatzung» zum Thema «Welches Kulturleitbild braucht das Land?», die am 7. Mai in Liestal über die Bühne gehen wird.

«Welches Kulturleitbild braucht das Land?» ist eine gute Frage. «Land» interpretieren wir in diesem Fall natürlich als Landschaft, mithin als ländlichen Halbteil der Region Basel, der im Gegensatz zur Stadt offenbar eine andere Kultur braucht (auch wenn seine Bewohner Kultur in der Stadt konsumieren, dazu aber nicht den Obolus beisteuern wollen, den die Stadt im Zuge des regionalen Lastenausgleichs gerne in der Kasse klingeln hörte – das ist aber kein typisches Basler Problem, man frage nur mal die Stadtpräsidenten von Bern, Solothurn oder Zürich).

Löst man sich mal von Basel, das ja auch bloss den Einstieg zu diesem Text hat liefern müssen, dann stellt sich die Frage sozusagen kategorial-förderalistisch: Welches Kulturleitbild braucht das Land (die Schweiz)? Der alte Briest – ein typischer Landbewohner in der Provinz – käme in Fontanes Roman Effi Briest zu einem eindeutigen Schluss: Das ist ein weites Feld.

Es gibt darauf eigentlich nur anschliessende Fragen und kaum abschliessende Antworten, und es ist hierzulande selbstverständlich von Kanton zu Kanton verschieden. Modernes Kulturverständnis gleicht dem Schiff, mit dem der Philosoph Otto Neurath die Philosophie verglichen hat, das wir auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können.

Der Dialog über die Kultur ist also intrinsischer Teil der Kultur und die Kommunikations-Initiative der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft deshalb eine gute, ja eine exzellente Idee. Sie könnte zur Vorstellung verleiten, dass Kulturämter primär nicht Durchlauferhitzer für Subventionen, Kulturpreisüberwacher oder Triagezentren für Verordnungen, Antragsformulare und Einsprachen sind, sondern eine Art Ombudsstellen oder Agents provocateurs für den kontinuierlichen Dialog. (wb)

Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.

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