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09.09.2005 — Die tägliche Arbeit eines Berufsmusikers besteht aus Lektionen erteilen, Chorproben leiten, Proben für Kammermusik, Orchesterdiensten und vielem mehr. Nicht selten muss dabei ständig zwischen weit auseinanderliegenden Orten hin und her gereist werden. Mit andern Worten: Musizieren ist geistiger und körperlicher Hochleistungssport. In der Regel wird das ignoriert: Die ergonomischen Verhältnisse sind vielerorts lamentabel, und die Zeit fehlt, auf den eigenen Körper zu hören.
Beginnt sich dieser gegen den Raubbau so hartnäckig zu wehren, dass die Signale nicht mehr überhörbar sind, beginnen die Ängste – vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, des Ansehens unter Kollegen – und vor der drohenden Möglichkeit, auf das über alles geliebte künstlerische Tun vielleicht ganz verzichten zu müssen.
In dieser Situation kann der Hausarzt, der die speziellen Aspekte von Musikerkrankheiten nicht kennt, nicht weiterhelfen. Im besten Fall ist er sich dessen bewusst und verfällt nicht in den Fehler, die Hilfesuchenden mit untauglichen Ratschlägen abzuspeisen. Viele gutgemeinte Tipps aus dem Freundeskreis helfen auch nicht weiter, und so beginnt nicht selten eine Odyssee durch die Institutionen des Gesundheitswesens, die letztlich zu nichts führt.
In den Kreisen spezialisierter Mediziner ist die immer grösser werdende Anzahl von Musikern und Musikerinnen nicht unbemerkt geblieben, die mit einem spezifischen Problem keinen Anlaufpunkt finden. Um dies zu ändern, ist vor acht Jahren in Bern die Schweizerische Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM) gegründet worden. In ihr haben sich Spezialisten verschiedenster Fachrichtungen zusammengeschlossen, um eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aufzubauen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Codex flores freut sich, seinen Leserinnen und Lesern auf seinen Seiten ab sofort kontinuierlich über die Aktivitäten der SMM berichten zu können. Die Gesellschaft veranstaltet Anlässe wie das hochkarätig besetzte öffentliche Symposium «Psychische Belastungen im Musikerberuf», das am 22. Oktober an der Hochschule für Musik und Theater Zürich über die Bühne geht (mehr Infos und ein Anmeldeformular dazu finden sich hier).
Die SMM kann aber auch als Anlaufstelle für alle dienen, die sich in der oben geschilderten Situation befinden und statt ebenso peinvolle wie vermeidbare Irrwege begehen zu müssen direkt zu Spezialisten geführt werden wollen, die sie kompetent beraten. Post- und E-Mail-Adressen für entsprechende Anfragen finden sich auf der Eingangsseite zum Bereich der SMM. (wb)
Der Wissenschaftstheoretiker und Musikpublizist Wolfgang Böhler ist Produzent von Worldmusic- und Kammerjazz-Projekten und Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins
