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Werkeinführungen: Orff und Beethoven

12.08.2008 — Als Susanne Gläß, Universitätsmusikdirektorin in Bremen, im Jahre 2003 Carl Orffs «Carmina Burana» einstudierte, suchte sie für das begleitende musikwissenschaftliche Seminar Materialien über das populäre Chorwerk. Die Ausbeute war erstaunlicherweise gering, und so entschloss sie sich, eine aktuelle Einführung zu «Carmina Burana» nach eigenen gründlichen Studien auch der Primärquellen selbst zu verfassen. Das Unterfangen ist ihr rundum geglückt – zum Glück für alle an diesem Meisterwerk Interessierten.

Am Beginn jedes der 25 Kapitel – entsprechend der Werkteile – stehen Besetzung, Kurzcharakteristik des Inhalts und vertonter Text (auch in Übersetzung). Zur Sprache kommen nicht nur Aspekte, die in direktem Zusammenhang mit der jeweiligen Nummer stehen, sondern der Blick weitet sich im anschliessenden Exkurs. Einige Beispiele der dabei behandelten Themen: Codex Buranus, Mittelalter (Text, Tanz, Musik), Monteverdi, Humor und Witz, Aufführungsgeschichte der «Carmina Burana», das Orffsche Schulwerk sowie Orff und die bayerische Volksmusik, die Comedian Harmonists, Religion, das Militär, der Faschismus. Nicht weniger ergiebig und fundiert sind die aufführungspraktischen Erfahrungen und Hinweise (Textübersetzung. Aussprache des Lateinischen, Perkussion und Sprechen, Verzierungen).

Am Schluss der meisten Kapitel führt die Autorin zum Weiterlesen empfohlene Literatur (Bücher, Zeitschriften) auf.

Beethovens Streichquartette

Der Gemeinschaftsarbeit von fünf Musikwissenschaftlern ist die ebenso gründliche wie erhellende Werkeinführung zu Beethovens Streichquartetten entsprungen; Anlass war das 20-jährige Bestehen des Leipziger Streichquartetts.

Peter Gülke eröffnet das Taschenbuch mit dem Essay «Beethoven – Musik der anderen Zeit». Emil Platen widmet sich dem Spätwerk im Aufsatz «Die letzten Quartette: Vom Einfall zur Drucklegung». Aspekten der Interpretation und der Aufführungspraxis nimmt sich Matthias Moosdorf an, und Peter Korfmacher gibt einen kommentierten Überblick über die Einspielungen illustrer Ensembles seit 1974.

Im Zentrum stehen Gerd Indorfs in drei Teile gegliederte, von je einer Gesamtwürdigung begleitete Besprechungen (Satz für Satz) und Analysen der frühen Sammlung op. 18, der fünf Werke op. 59 bis 95 und der fünf späten Quartette op. 127 bis 135 samt der Grossen Fuge op. 133.

Da auf Notenbeispiele verzichtet wurde, sind zum eingehenden Studium die Partituren (Bärenreiter- oder Henle-Ausgaben) unerlässlich. Wer sich lieber hörend in die Analysen vertieft, findet detaillierte Zeitangaben, die sich auf die Gesamteinspielung der Beethoven-Quartette durch das Leipziger Streichquartett beziehen.

Die beigefügte Mini-DVD bietet die mit Videokunst garnierte Grosse Fuge in der Interpretation des Leipziger Ensembles. (ws)

Susanne Gläß: Carl Orff – «Carmina Burana». Mit Notenbeispielen und Abbildungen. Bärenreiter Werkeinführungen. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2008. 160 Seiten. € 13,95. Fr. 25.90.

Matthias Moosdorf (Hrsg.): Ludwig van Beethoven: Die Streichquartette. Mit 8-cm-Video-Audio-DVD. Bärenreiter Werkeinführungen. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2007. 160 Seiten. € 16,95. Fr. 32.50.

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