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15.02.2008 — Nicht nur die Deutschschweizer Ausbildungen von Berufsmusikern sind im Umbruch begriffen (die Stichworte dazu sind die Bologna-Reform und die Zusammenlegung von Kunst, Theater, Musik und weiteren Disziplinen zu umfassenden Kunsthochschulen). Auch die Westschweizer Konservatorien werden zur Zeit von Grund auf reformiert. Deutschschweizer Medien nehmen davon allerdings kaum Notiz. Wenn’s hoch kommt, dann vermelden die Agenturen höchstens mal Oberflächliches wie einen Protestmarsch, den Neuenburger Musiker Ende Januar durchgeführt haben, um auf den Abbau der professionellen Ausbildung am Konservatorium ihres Kantons hinzuweisen. Die Erklärungen dazu in den Medien diesseits der Sprachgrenze sind allerdings eher verwirrlich.
Worum geht es? Die Bedingungen für eine Akkreditierung als Fachhochschule nach dem Bologna-System setzen eine gewisse Grösse einer Ausbildungsstätte voraus. Kaum zur Diskussion gestanden ist dies für die Konservatorien von Genf und Lausanne, die mittlerweile den Status einer Haute Ecole des Suisse (HES) haben.
Für die Konservatorien von Neuenburg, Fribourg und Sion haben sich die Anforderungen für eine Akkreditierung als HES, die das BBT stellt, als wesentlich höhere Hürde herausgestellt (das BBT, das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, wird auf Französisch mit «OFFT» abgekürzt, was soviel heisst wie «Office fédéral de la formation professionnelle et de la technologie»).
Fribourg und Sion haben wegen der Aussichtslosigkeit eines solchen Unternehmens bereits zuvor die Waffen gestreckt. In Neuenburg ist man nach einer Selbstevaluation und der Reaktion darauf vom OFFT im letzten Herbst nun ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass die Möglichkeit, eine Akkreditierung zu erreichen, faktisch nicht gegeben ist.
Wenn Neuenburg sein Angebot einer Berufsausbildung für Musiker (die notabene zu einem überwältigenden Teil von ausländischen und Deutschschweizer Studierenden und kaum von Einheimischen wahrgenommen wird) aufrechterhalten möchte, hätte der Kanton also bloss die Möglichkeit, als Abschluss ein vom Bologna-System nicht anerkanntes Diplom auszustellen. Die Absolventen wären auf dem von harter Konkurrenz geprägten Markt chancenlos.
Es sind also nicht, wie in einigen Deutschschweizer Medien kolportiert, die Neuenburger Politiker, die der musikalischen Berufsausbildung im eigenen Kanton an den Kragen wollen. Es ist nach einer sorgfältigen Abklärung die Einsicht der Regierung, dass eine Akkreditierung des Konservatoriums als HES nicht machbar ist. Der Grosse Rat hat die Regierung denn auch beauftragt, eine alternative Lösung weiterzuverfolgen. Diese wiederum kann nur darin bestehen, in Neuenburg eine Zweigstelle der HES Genf oder Lausanne einzurichten.
Ob es wirklich so weit kommt, wird sich zeigen. Würde das Angebot nämlich wie heute kaum von Einheimischen, sondern von ausländischen und Deutschschweizer Studierenden genutzt, dürfte man sich am Fuss des Chaumont möglicherweise fragen, was − ausser den Kosten − der Kanton davon hat, Auswärtigen eine Ausbildung an einer HES Genf oder Lausanne anzubieten.
Eine mögliche Antwort wäre sicher, dass ein derartiges Angebot das Kultur- und Konzertleben der Stadt nach wie vor lebendig und urban halten würde. Und zum Kulturaustausch über den Röschtigraben hinweg beitragen würde. (wb)
Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.
