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Biblioteca Beethoveniana

01.03.2013 — Vor gut vier Jahrzehnten begannen der im Buchhandel tätige Italiener Sergio Carrino und seine Frau Giuliana alles zu sammeln, was mit der Person Beethovens und dessen Schaffen zu tun hat. Dank Hingabe und erheblichen finanziellen Aufwendungen äufneten sie eine der bemerkenswertesten Beethoveniana-Kollektionen. Das vorliegende Bändchen gibt Einblick in die Sammlung Carrino, aus der bis zum 20. Mai 2013 über 200 Objekte im Beethoven-Haus Bonn präsentiert werden.

Während Museen und Privatsammler vorwiegend Gegenstände mit künstlerischem Wert oder spezifischem Inhalt zusammengetragen haben, weiteten die Carrinos ihren Blickwinkel, trugen aus vielen Ländern sowohl Werke von ästhetischem Rang wie auch Devotionalien, Kuriositäten und Banales zum Thema Beethoven zusammen, alles in allem über 9000 Objekte. Sie bieten abwechslungsreiche Einblicke in die Wirkungs- und Mentalitätsgeschichte von der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Tage.

Das Katalogbüchlein widerspiegelt in Wort und Bild die vielfältigen Aspekte der Sammlung Carrino, die nun erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird: Ölgemälde, Skulpturen, Büsten, Masken, Grafiken, Bücher (darunter Erstausgaben aus Beethovens Lebenszeit), Münzen, Plaketten, Gedenkmedaillen und Exlibris setzen sich in vielfältigen Facetten auseinander mit dem idealisierten, das Schicksal bezwingenden, stets grimmigen Genie.

Ludwig van wirbt aber auch für Parfüm, Seife und Unterwäsche, auf der Hundert-Milliarden-Mark-Note von 1923 aus Bonn für trotziges Durchhalten in Krisenzeiten.

Die amüsante Kehrseite: Beethoven auf Augenhöhe. Tabak und Alkoholika war er nicht abgeneigt: das Haupt des Meisters als Pfeifenkopf, auf Streichhölzern, Feuerzeug, Tabakdose, Aschenbecher, Zigarren-Banderole, Flaschenverschluss. Herhalten musste sein Konterfei auf Spiel- und Postkarten, Briefbeschwerer, Tischglocke, Buchstütze, Taschenmesser, Karnevalsorden. Nach Entkorken der Flasche in Geigenform klimpert eine Spieluhr: «Eine köstliche Bereicherung Deiner Bar! Sie sorgt für viel Unterhaltung…! Man schenkt ein, und die Töne der 5. Symphonie erfüllen die Luft!» (Werbetext Ende 1960er Jahre, USA)

Ein letztes Beispiel aus dem Land der begrenzten Möglichkeiten: brauner Beethoven-Kopf, darunter eine monströse rote Fliege, verbunden mit einem schwarzen Aschenbecher. «The Smoking, Coughing Beethoven» von 1972 für 35 Dollar. Mittels batteriebetriebenem Mechanismus raucht er eine echte, in den Mundwinkel gesteckte Zigarette und hustet. Erläuterung dazu: «Beethoven’s cough was even great. Watch him try to cheat his fate. See him smoking like a master… Puffing fast and coughing faster!» – Endlich klärt sich, wie er auf das Kopfthema der Fünften kam. (ws)

Michael Ladenburger und Nicole Kämpken (Hrsg.): Eine Beethoven-Wunderkammer in Italien. Die Sammlung Carrino. Begleitpublikationen zu Ausstellungen des Beethoven-Hauses Bonn, Bd. 20. Carus-Verlag, Stuttgart 2012. 56 Seiten mit farbigen Abbildungen. € 12,–.

siehe auch:
Beethoven im Bild
www.beethoven-haus-bonn.de

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