von Wolfgang Böhler
Der Vorstand des Schweizerischen Fachverbandes für Musiktherapie (SFMT) entschuldigt sich bei einer Referentin über den angeblich «unachtsamen Umgang in Bezug auf die Veröffentlichung» eines kritischen Berichtes über ihren Vortrag an einer Fachtagung in der Rehaklinik Bellikon (siehe Codex-flores-Nachricht) und den ihr in diesem Zusammenhang angeblich «entstandenen Schaden». Die entsprechende Unterlassungerklärung ist vom SFMT-Vorstand aufgrund einer anwaltlichen Klagedrohung im Eiltempo verschickt worden, ohne dass ich als Autor des Berichtes oder die Klinik Bellikon als Veranstalterin der Tagung davon Kenntnis gehabt hätten. Der SFMT-Vorstand hat der betroffenen Referentin überdies eine Aufwandentschädigung bezahlt. Auf meine Bitte, über die gleichen Kanäle zu der Sache differenziert und in etwa demselben Umfang wie die Unterlassungserklärung Stellung nehmen zu dürfen, hat sich der SFMT-Vorstand viel Zeit genommen. Ich habe die Bitte anfang August geäussert und nun anfang September auf Nachfrage eine abschlägige Antwort erhalten. Der SFMT-Vorstand beschränkt sich auf eine Minimalstvariante, im Prinzip um Gegendarstellungsrecht Genüge zu tun. Man kann dies nur als (schwer verständliche) Parteinahme für die betreffende Referentin deuten.
von Wolfgang Böhler
Der Vorstand des Schweizerischen Fachverbandes für Musiktherapie (SFMT) entschuldigt sich bei einer Referentin über den angeblich «unachtsamen Umgang in Bezug auf die Veröffentlichung» eines kritischen Berichtes über ihren Vortrag an einer Fachtagung in der Rehaklinik Bellikon (siehe Codex-flores-Nachricht) und den ihr in diesem Zusammenhang angeblich «entstandenen Schaden». Die entsprechende Unterlassungerklärung ist vom SFMT-Vorstand aufgrund einer anwaltlichen Klagedrohung im Eiltempo verschickt worden, ohne dass ich als Autor des Berichtes oder die Klinik Bellikon als Veranstalterin der Tagung davon Kenntnis gehabt hätten. Der SFMT-Vorstand hat der betroffenen Referentin überdies eine Aufwandentschädigung bezahlt. Auf meine Bitte, über die gleichen Kanäle zu der Sache differenziert und in etwa demselben Umfang wie die Unterlassungserklärung Stellung nehmen zu dürfen, hat sich der SFMT-Vorstand viel Zeit genommen. Ich habe die Bitte anfang August geäussert und nun anfang September auf Nachfrage eine abschlägige Antwort erhalten. Der SFMT-Vorstand beschränkt sich auf eine Minimalstvariante, im Prinzip um Gegendarstellungsrecht Genüge zu tun. Man kann dies nur als (schwer verständliche) Parteinahme für die betreffende Referentin deuten.
Der SFMT-Vorstandes hat in dieser Sache sicherlich alles andere als souverän agiert. Menschlich ist das verständlich, weil er für derartig inakzeptable Machtattitüden im Rahmen eines rationalen wissenschaftlichen Diskurses nicht gerüstet ist. Der Skandal in der Geschichte ist nicht das Handeln des SFMT-Vorstandes. Sich ohne Rückfrage beim Verfasser für einen inhaltlich korrekten und sachlich-respektvoll verfassten Text gegenüber Verbandsmitgliedern zu entschuldigen, ist zwar ein starkes Stück. Dies kann man mit gutem Willen aber als Ausdruck von Hilflosigkeit betrachten. Völlig inakzeptabel ist jedoch das Vorgehen der betroffenen Referentin. Dieser Art des Umgangs miteinander im Dialog um die wissenschaftlichen Grundlagen der Musiktherapie muss entschieden entgegengetreten werden. Leider ist die Geschichte kein Einzelfall. Dass Fachdebatten unter Beizug von Anwälten, Klagedrohungen, Ehrverletzungsprozessen und anderen bösartigen Mitteln der Diskursverhinderung erstickt werden, darf nicht sein. Das muss einfach aufhören, wenn sich die Musiktherapie im deutschsprachigen Raum über ihre Fachgemeinschaft hinaus den Respekt verschaffen will, den sie tatsächlich verdient.
Der SFMT-Vorstand sollte aus der Geschichte seine Lehren ziehen. Künftig wird man vermehrt mit derartigen Maulkorb-Strategien konfrontiert werden, wenn es so einfach ist, damit Erfolge zu erzielen. Dass damit das Führen einer offenen, zeitgemässen Debatte erstickt wird, muss verhindert werden. Es ist eine der zentralen Aufgaben eines Fachverbandes, den herrschaftsfreien rationalen Fachdiskurs in seinem Wirkkreis zu garantieren. Dafür wird er künftig sorgen müssen, will er seine Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen.