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Veröffentliche Beiträge in “Editorials”

Die Musik spielt in den Regionen

von Wolfgang Böhler

 

16.05.2014 -- Der «Cluster-Bericht 2011–2013» des Kantons Zürich zeigt Interessantes: Gut ein Viertel der Arbeitsplätze und ein Drittel des Umsatzes der gesamtschweizerischen Kreativwirtschaft sind dem Kanton Zürich geschuldet. Der Musikmarkt des Kantons zählt knapp 1200 Betriebe und 7500 Beschäftigte mit insgesamt 5000 Vollzeitstellen-Äquivalenten. Die Zürcher Hochschule der Künste zählte 2012 2200 Studierende, etwas mehr davon Frauen als Männer. Die Unternehmen, steht im Bericht, «weisen im Durchschnitt weniger als fünf Beschäftigte aus. Da Kreative in der Regel ein lebendiges und urbanes Umfeld mit kurzen Wegen schätzen, konzentrieren sich rund 50 Prozent der Firmen in der Stadt. Im Vergleich mit anderen Metropolitanregionen liegt die Bruttowertschöpfung der Zürcher Kreativwirtschaft mit einem Anteil von rund 5 Prozent an der Gesamtwirtschaft im oberen Bereich».

Die Schweiz sucht mit Europa den Kulturdialog

von Wolfgang Böhler

 

Porträt Wolfgang Böhler18.04.2014 -- Die Schweizer Kulturwirtschaft hat mit Blick auf die europäische Zusammenarbeit ein Problem. Die Betonung liegt dabei auf «Kulturwirtschaft». Die Schweizer Kulturschaffenden, insbesondere die Künstler (pardon, Künstlerinnen und Künstler) haben eher keines, oder sollten keines haben. Künstlerische Zusammenarbeit schert sich nicht um Finanzierungsfragen, sie ist ‒ oder sollte zumindest ‒ bloss von der ästhetischen Neugier angefacht werden, und sie sollte sich über implizite oder explizite Lenkungen via institutionelle und staatliche Anerkennungen höchstens entrüsten. Die Schweizer Kulturwirtschaft wird durch die schwieriger gewordene Zusammenarbeit mit dem Umland hingegen deutlich ausgebremst. Sie hat vor allem zwei Motive zum Dialog mit der EU.

Was Künstler verdienen (oder auch nicht)

von Wolfgang Böhler

 

Porträt Wolfgang Böhler04.04.2014 -- Das Kölner Büro für Kulturwirtschaftsforschung des Kultursoziologen Michael Söndermann (er ist auch Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste), respektive der deutsche Arbeitskreis für Kulturstatistik (ARKStat) hat für eine Tagung zu Kulturberufen im niedersächsischen Loccum Daten und empirische Befunde zusammengestellt ‒ über die Einkommenssituation deutscher Künstler. Die Zahlen bestätigen zunächst, was man bereits weiss: Die Hälfte der Künstler hat (in Deutschland) ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen zwischen 1100 und 2000 Euro. Bloss 8 Prozent verdienen monatlich mehr als 3200 Euro netto, ein Viertel 900 Euro und weniger. Sie sind damit ‒ dies eine Einsicht der Zahlen ‒ aber nicht alleine: In sozialen Berufen ist die Verdienstpyramide vergleichbar oder gar leicht nach unten breiter. Das Einkommen der erwerbstätigen Künstler unterscheidet sich sogar im Vergleich zur gesamten Erwerbstätigkeit der Bevölkerung nicht so dramatisch, dass man allgemein von einem Dasein als Underdogs sprechen könnte.

Seligers Buch «Das Geschäft mit der Musik»

Von Wolfgang Böhler

 

Porträt Wolfgang Böhler21.03.2014 -- Zur Zeit ist ein Buch des Berliner Musikmanagers Berthold Seliger ‒ Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht (Edition Tiamat, Berlin 2013) ‒ im Gespräch. Der Agent und Tourneeveranstalter beschreibt die Mechanismen, nach denen heute Rock- und Popacts (schwergewichtig, aber nicht nur) auf dem Musikmarkt positioniert werden. Nicht alles an Seligers Berichten ist wirklich neu, einiges zitiert er aus der einschlägigen Musikpresse, und sein ideeller Standort ist deutlich spürbar: Seliger polemisiert aus deutlich linken, stark wertenden und 68er-nahen Positionen heraus.  So beklagt er sich in einem Kapitel «Die soziale Situation» über die prekären rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Kreativen. Aber auch er stellt sich den zwei Kernproblemen der Kreativwirtschaft nicht.

Kulturpolitik darf nur Finanzpolitik sein

 

von Wolfgang Böhler

 

 

Porträt Wolfgang Böhler07.03.2014 -- Bern ist kulturpolitisch am Hyperventilieren: In der Schweizer Bundesstadt laufen einige Kulturdiskussionen teils parallel, teils seltsam verschränkt. Die Stadt hat im Januar zum Hearing eingeladen, die Leiterin der Abteilung Kulturelles will nun doch noch ein Kulturkonzept vorlegen, nachdem sie dies zuvor als unnötig erachtete, einzelne Akteure rund um die Kunstsammlerin Carola Ertle, das unabhängige Kulturmagazin Ensuite und das Kornhausforum haben zur «Berner Kulturkonferenz» eingeladen. Es gehe «um Inhalte, nicht um Geld», so das Credo der Konferenz. Das mutet etwas naiv an: Letztlich geht es auch diesen Akteuren ums Geld, nämlich um  die Frage, wie man begründen kann, dass diese mehr, dafür jene weniger erhalten, denn die in der Kulturkonferenz und im Kulturdachverband Bekult (der auch die Kulturkonferenz unterstützt) vereinten Institutionen sind im Wesentlichen die kulturellen Subventionsempfänger der Stadt.